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Wie demokratisch ist der bolivarianische Prozess in Venezuela oder was
bedeutet der Sozialismus des 21. Jahrhunderts?

Wie ist das Verhältnis von Basisbewegungen und Regierungsinitiativen? Welchen Einfluss hat die Bevölkerung auf die Neugestaltung ihres Wohnumfeldes, der Arbeitswelt oder des Bildungssystems? Wie demokratisch ist der bolivarianische Prozess?

Jan Kühn studiert Soziologie und Geschichte in Berlin und ein Jahr lang an der Universidad Central de Venezuela in Caracas, arbeitet als Übersetzer und in unabhängigen Medien.

Donnerstag, 21.01.10
19:00 Uhr
Internationales Zentrum, Raum 15
Flachsmarkt 15, 47051 Duisburg

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Workshop
„Autonomer Sozialismus?“ Die Gruppe „Socialisme ou Barbarie“ und Cornelius Castoriadis

Die französische Gruppe „Socialisme ou Barbarie“ (1949-1967) ist in der deutschen Linken noch immer weitgehend unbekannt. Sie entwickelte eine unabhängige sozialistische Position, die nicht nur mit dem Stalinismus, sondern prinzipiell mit den Avantgardekonzeptionen parteikommunistischer Richtungen brach. Die von Cornelius Castoriadis (1922-1997) mitbegründete Gruppe übte eine radikale Kritik an der traditionellen Arbeiterbewegung und formulierte Grundzüge einer auf der Idee der Arbeiterselbstverwaltung und der Rätedemokratie beruhenden gesellschaftlichen Alternative.

Theoretische und vor allem auch empirische Analysen des Fabrikalltags führten „Socialisme ou Barbarie“ zu einem ihrer wesentlichen Theoreme, dass nämlich die Hauptkonfliktlinie kapitalistischer Gesellschaften heute entlang der Trennung zwischen Leitenden und Ausführenden verläuft. Mit ihren in der gleichnamigen Zeitung veröffentlichten „Zeugnissen“, also Erfahrungen aus dem Arbeitsalltag, versuchte die Gruppe Arbeitserfahrungen im modernen Kapitalismus authentisch zu artikulieren, theoretisch zu reflektieren und zu politisieren.

Vieles von dem, was den Mai 1968 in Frankreich politisch ausmachte, wurde von „Socialisme ou Barbarie“ theoretisch und in ihrer politischen Praxis vorweggenommen, die allgemeine und verallgemeinerte Selbstverwaltung. In gewissem Sinne war „Socialisme ou Barbarie“ aber ebenfalls avantgardistisch, sie löste sich ein Jahr zuvor auf.
Im Workshop wollen wir uns dem Werk der Gruppe „Socialisme ou Barbarie“ sowie den weiteren Arbeiten von Castoriadis, der als Psychoanalytiker und Forschungsdirektor weiter arbeitete, annähern. Neben gründlicher Information und Reflexion wollen wir auch der Frage des „Was bleibt?“ nachgehen: Haben diese Arbeiten der 50er und 60er Jahre für die (radikale) Linke heute noch eine Bedeutung, und welche?

Der Workshop wird Vortrag, eine Lesephase, Arbeitsgruppenarbeit und gemeinsame Diskussion verbinden.

Referenten:
Andrea Gabler (Soziologin) hat 2009 ihre Dissertation unter dem Titel „Antizipierte Autonomie. Zur Theorie und Praxis der Gruppe "Socialisme ou Barbarie" (1949-1967), Hannover: Offizin 2009“ veröffentlicht; Harald Wolf ist Mitarbeiter am Soziologischen Forschungsinstitut (SOFI) in Göttingen und Mitherausgeber der Ausgewählten Schriften von Castoriadis (Verlag Edition AV, Lich, 2006 ff.)

Samstag, 13. März 2010
11-17 Uhr
Internationales Zentrum
Flachsmarkt 15, 47051 Duisburg


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